
Die Milchstrasse im Schwan und das Sternbild Leier. Foto: Jakob Weyde.
Neumond im Juni, die längsten Tage des Jahres. Dank Sommerzeit ist es erst um halb eins dunkel, die Hitzewelle lässt keine optimale Durchsicht erwarten. Zur Sternwarte fahren lohnt kaum, vielleicht ein spontaner Versuch aus dem lichtgeschützten Teil des Gartens.
Auf dem Laptop wartet eine Karte der direkten Umgebung von M 13, die Sternmuster aus dem Astrofoto müssen mit dem visuellen Eindruck abgeglichen werden. Dafür braucht es nicht viel Öffnung, das 6-Zoll BoxKite kommt passend temperiert aus der Werkstatt. Ein Kissen auf den Boden und es kann losgehen.
Die beiden 7m-Sterne nordöstlich und südwestlich des Clusters helfen bei der Orientierung. Auf der Ostseite stehen zwei enge Sternpaare, die an Epsilon Lyrae erinnern. Bei den schwachen Bedingungen sehen sie im 6-Zoll allerdings wie Einzelsterne aus. Das Muster unmittelbar westlich ähnelt dem Teapot, in SkySafari ist es unscheinbar, im Okular aber auffällig und auf Fotos klar erkennbar. Die wenigen verbleibenden 12m-Sterne sind indirekt gerade noch sichtbar, im Nordwesten herrscht dann auffallende Leere.
Die Skizze ist fertig, zur Entspannung noch einen Abstecher zum M 57. Der zarte Rauchring braucht bessere Bedingungen, der dunkle Bereich im Inneren setzt sich kaum ab. Erinnert mich daran dass dies kein gutes Ziel für Einsteiger ist.
Am nächsten Morgen schickt mir Jakob ein Panorama der Milchstraße im Schwan, direkt aus der Stadt fotografiert. Das Feld ist riesig und die Leier klein, kann ich den Ringnebel ausmachen? Sieht aus wie ein Stern, aber die Lage passt. Bei der Beweisführung hilft SkySafari. Gleich mal Jakob schreiben. Der antwortet prompt: “Stimmt! Ein blaues Pünktlein 😇”.

Der Ringnebel M 57 in der Leier. Screenshot aus SkySafari 6 Pro und Ausschnitt aus der Aufnahme oben. Image Courtesy of SkySafariAstronomy.com.