Der verdunkelte Mond über Friaul-Julisch Venetien. Der Stern rechts oben ist Lambda Aquarii. Foto: Jakob Weyde.

Auch wenn man mit Mondbeobachtung nicht viel am Hut hat, für eine totale Mondfinsternis holt man Teleskop und Fernglas schon mal raus.

Kurz vor Sonnenuntergang ist der Himmel noch mit Schleierwolken bezogen, die sich – ClearOutside sagt es voraus – nach Sunset zusehends auflösen. Wir beziehen mit dem Fernglas Posten am Dachfenster. Den Blick nach Osten begrenzt das bewaldete Hochufer, wie lange wird der Mond brauchen bis er sich hinter den Bäumen zeigt? Wo genau wird das sein und wer sieht ihn zuerst? Die übernächste Beobachtergeneration ist begeistert: “Wir sind Forscher!”

Als wir den Mond entdecken, steht er schon ein halbes Grad über den Bäumen. Geisterhaft schwach, ein schöner Helligkeitsverlauf grenzt den Südwesten gegen den Himmelshintergrund ab und bringt trotz der schwachen Durchsicht ein paar Details ans Licht. Mit zunehmender Höhe über dem Horizont zeigt sich ein ausgeprägter Hof.

Wir wechseln nach draussen zum Teleskop. Ein heller Lichtfleck sticht hervor wie die Polkappe des Mars. Schnell zeichnen um ihn später identifizieren zu können. Es ist der Krater Aristarchus, auf der Vollmondaufnahme im Rükl-Atlas erscheint er auffällig wie eine Küstenmetropole auf der “Earth at Night”-Karte. Das kleine Lichtmeer hält uns gefangen, erst als es den Kernschatten verlässt packen wir zusammen. Was für ein geniales Erlebnis.

Die Fotos liefern Jakob und Marcus, hier Jakobs Bericht:

“Wir machen gerade Urlaub in Norditalien, genauer gesagt in den friulanischen Voralpen. Das Wetter ist einigermaßen klar und auch unsere 10jährige Tochter ist Feuer und Flamme, die heutige Mondfinsternis zu beobachten.

Voller Erwartung fahren wir also nach Clauzetto, einem kleinen Ort, der aufgrund seiner stolzen Aussicht in die Ebene den Beinamen “il balcone del Friuli” trägt. Um 19:30 Uhr stehen wir mit gezückten Kameras auf dem Vorplatz der exponierten Kirche, von dem aus man wie erhofft freien Blick nach Osten hat. Anscheinend sind wir nicht die einzigen mit der Idee, während sich im Westen die Sonne mit prächtigen Farben verabschiedet finden sich noch weitere Interessierte ein, und es herrscht ein Hauch von Event-Stimmung.

Das Event allerdings bleibt aus. Denn dort, wo wir den aufgehenden und bereits verdunkelten Mond vermuten ist nur ein dichter Vorhang aus Schleierwolken zu sehen. Jetzt heißt es warten, schließlich soll der Mond bis knapp 21 Uhr im Kernschatten bleiben. Die Zeit verstreicht, immer noch nichts zu sehen, die Wetterkarte macht wenig Mut und die Mundwinkel wandern langsam aber sicher nach unten. Die ersten packen zusammen und geben auf.

Eine Stunde verstreicht, wir werden langsam müde und kalt, da passiert es. Gegen 20:40 reißt ein Loch in den Wolkenschleier und gibt den Blick auf eine wunderbar rötliche Mondkugel frei, die bereits überraschend hoch am Himmel über den Lichtern der Ebene steht. Unter den Beobachtenden breitet sich wohlige Zufriedenheit aus und die Kameras beginnen zu klicken. Nach kurzer Zeit beginnt der Mond schon aus dem Erdschatten zu wandern. Wir sehen noch ein bisschen zu und gehen dann zum Auto, froh und stolz, dass unser Ausharren belohnt wurde.”

Der Mond in der Totalität. Aufnahme mit Teleobjektiv, der helle Krater Aristarchus ist gut zu erkennen. Foto: Marcus Schenk.

Der Krater Aristarchus am nordwestlichen Mondrand. Ansicht wie im Okular, das Bild steht Kopf.