Astronomie einfach machen

Kategorie: Astro-Zen (Seite 1 von 2)

10 Minuten Nordamerika

Der Nordamerikanebel NGC 7000. 10 Minuten Belichtung mit dem Seestar S30 Pro. Aufnahmeort: Rieden, Austria. Foto: Marcus Schenk.

Marcus ist in den Ferien und erholt sich in den Bergen. Aber Leidenschaft bleibt Leidenschaft, und ist da nicht noch eine kleine Lücke im Kofferraum neben all dem anderen Gepäck? Da sollte man doch 30 mm Öffnung unterbringen können.

Guter Himmel heute Abend. Es braucht nur 10 Minuten und der Nordamerika-Nebel NGC 7000 im Sternbild Schwan entfaltet seine Magie.

To see or not to see

Die Milchstrasse zwischen Perseus und Cassiopeia. Am linken Bildrand im unteren Drittel Kemble’s Cascade, am rechten Bildrand auf gleicher Höhe die Dreiecksgalaxie M 33. Foto: Jakob Weyde.

Heute ist Neumond, der Tag sonnig, gegen Abend lösen sich die Schleierwolken auf. Mit der Dunkelheit wird es kalt, die Feuchtigkeit in der Luft wird die Herausforderung der Nacht.

Jakob fotografiert die Milchstraße zwischen Perseus und Cassiopeia, das Objektiv taut im Handumdrehen zu. Nur wenige Aufnahmen sind verwertbar, trotzdem gelingt ein Weitfeld mit vielen interessanten Deep Sky-Objekten.

Mit dem Teleskop suchen wir Kemble’s Cascade mit NGC 1502 und 1501 auf, die hatten wir bei der letzten Fernglas-Tour vergessen. Der Sternhaufen zeigt tolle Farben, der Planetarische Nebel strahlt geisterhaft kreisrund. So kann es weitergehen.

Während wir beobachten, stackt das Seestar Belichtungen des Geisternebels IC 63 bei Gamma Cas. Wie kommt Marcus auf dieses Objekt? “Intuition”. Wir versuchen es mit dem 8 Zoll, aber da spielt die Durchsicht nicht mit. Das Puzzle-Gegenstück Sh2-155, der Höhlennebel in Cepheus, bleibt ebenso unsichtbar wie alle weiteren Ziele, die wir auf der Liste haben. Egal, aufgesucht haben wir sie schon mal. Und wie sagt Jakob? Nicht sehen macht auch Spaß.

Gamma Cas und der Geisternebel IC 63. Foto: Marcus Schenk mit Seestar S50.

Es gibt sie noch

Lagerverkauf bei Intercon in Augsburg. Original-Teile wie Alutuben, Spiegelzellen, Höhenräder und Rockerboxen vom 8 Zoll ICS AT bis zum legendären 14,5er GNU. Als Besucher kann man in Ruhe stöbern, in die Begeisterung über so viel Hochwertiges mischt sich auch Melancholie.  Die Zeit der Manufaktur-Dobsons und des Selbstbaus geht zu Ende, heute sind andere Dinge gefragt. Was dort im Lager liegt, war mal state of the art und anderswo nicht zu bekommen.

Am liebsten möchte ich das alles einpacken und den Teilen ein neues Zuhause geben. Gekauft habe ich einen 10 Zoll Spiegel mit perfektem Messprotokoll. Nächstes Jahr müssen sich die Galaxien warm anziehen.

Kontrastprogramm

Stephan’s Quintet und Deer Lick Galaxie (am Bildrand). Foto: Marcus Schenk mit Celestron Origin.

Am Alpenrand irrlichtern Gewitterzellen, sonst ist der Himmel klar. Marcus ist schon unterwegs, das neue Celestron Origin im Auto. Die Company steigt als erster Traditionshersteller in den Markt mit Smart Teleskopen ein. Beste Durchsicht ist nicht zu erwarten, ich packe starken Café und Fernglas und fahre spontan hinterher.

Während das Origin schwierige Objekte sammelt sitzen wir auf der Bank, trinken Café und schauen in den Himmel. Herrlich, die laue Nacht so ohne Ziel. Später nehmen wir die Ferngläser. Die großen Spiralen M 51 und 101 in UMa gehen im 8 x 32 gerade noch. Richtig genial ist Perseus mit Doppelhaufen, Stock 2, Trumpler 2, Alpha Persei Gruppe und M 34. Leider vergessen nach Kemble’s Cascade zu schauen. Machen wir nächstes Mal.

Aurora Borealis

Polarlichter über Landsberg am Lech am 10. Mai 2024. Foto: Jakob Weyde.

Yes it is true: Die Sonnenaktivität beschert uns Polarlichter über Süddeutschland. Und Jakob fängt den Gänsehautmoment mit der Kamera ein.

Was Goto-Teleskope nicht zeigen

So dicht, dass man darüber stolpert, stehen die Objekte am Himmel nicht. Ein zufälliger Schwenk zeigt immer nur Sterne. Außer manchmal eben doch.

Endlich die Rockerbox und Höhenräder des kleinen 6 Zoll BoxKite grundiert, nachdem es gerade mal nicht regnet. Die sollen schließlich auch mal eine Taunacht überstehen. Der Himmel zieht immer mehr auf, gegen Abend nur noch Blau.

In der Dämmerung blinken die ersten Sterne, Vega und Deneb. Stehen etwas hoch, peilen wir mal eine angenehmere Höhe an. Zack,  tolles Sternenmuster, ganz zart, füllt das Gesichtsfeld im 13 mm Okular. Sollte das ein loser Sternhaufen sein? Aber welcher? Und wie finde ich das heraus?

Der Himmel ist noch hell, im SO von Deneb ist kein Stern zu sehen. Ich starte SkySafari, könnte M 39 sein. Volltreffer, die Sternmuster sind so charakteristisch, dass ich sie mit dem Foto des Haufens abgleichen kann. Gleich mal zeichnen.

Weil die Richtung so schön passt, gibt es im W von CAS noch etwas zu sehen? Für Caroline’s Rose ist es natürlich viel zu hell. Aber der Sternhaufen liegt zwischen zwei Sternpaaren, die gerade noch ins 21 mm Okular passen, und der Ort ist schnell eingestellt. Und dann die nächste halbe Stunde einfach da gesessen und genossen, wie dieser Poesie gewordene Sternstaub sich ganz langsam aus der Unsichtbarkeit herausschält. Besser geht’s nicht.

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