
Aurora Borealis über dem Lechfeld. Foto: Marina Radic-Wieland.

Foto: Marina Radic-Wieland.

Foto: Marina Radic-Wieland.

Foto: Marcus Schenk.

Foto: Jakob Weyde.
Astronomie einfach machen

Aurora Borealis über dem Lechfeld. Foto: Marina Radic-Wieland.

Foto: Marina Radic-Wieland.

Foto: Marina Radic-Wieland.

Foto: Marcus Schenk.

Foto: Jakob Weyde.

Komet C/2025 A6 (Lemmon) auf Stippvisite im Hercules. Foto: Jakob Weyde.
Heute habe ich es nochmal mit Lemmon versucht. Für dieses Bild habe ich etwa 30 Minuten belichtet und in der Nachbearbeitung einiges unternommen, um die Abenddämmerung und lästige Stacking-Artefakte loszuwerden.

Komet C/2025 A6 (Lemmon) im Sternbild Serpens. Einzelaufnahme mit 10 Sekunden. Foto: Jakob Weyde.
Jakob fotografiert Komet C/2025 A6 Lemmon durch die Wolken. Stacking entfällt wegen der Wolken, die Einzelaufnahme ist spektakulär genug. Für das freie Auge ist der Komet aus der Stadt leider nicht zu erreichen. Vielleicht gestattet das Wetter noch einen Blick mit dem Fernglas oder Teleskop.

Der verdunkelte Mond über Friaul-Julisch Venetien. Der Stern rechts oben ist Lambda Aquarii. Foto: Jakob Weyde.
Auch wenn man mit Mondbeobachtung nicht viel am Hut hat, für eine totale Mondfinsternis holt man Teleskop und Fernglas schon mal raus.
Kurz vor Sonnenuntergang ist der Himmel noch mit Schleierwolken bezogen, die sich – ClearOutside sagt es voraus – nach Sunset zusehends auflösen. Wir beziehen mit dem Fernglas Posten am Dachfenster. Den Blick nach Osten begrenzt das bewaldete Hochufer, wie lange wird der Mond brauchen bis er sich hinter den Bäumen zeigt? Wo genau wird das sein und wer sieht ihn zuerst? Die übernächste Beobachtergeneration ist begeistert: “Wir sind Forscher!”
Als wir den Mond entdecken, steht er schon ein halbes Grad über den Bäumen. Geisterhaft schwach, ein schöner Helligkeitsverlauf grenzt den Südwesten gegen den Himmelshintergrund ab und bringt trotz der schwachen Durchsicht ein paar Details ans Licht. Mit zunehmender Höhe über dem Horizont zeigt sich ein ausgeprägter Hof.
Wir wechseln nach draussen zum Teleskop. Ein heller Lichtfleck sticht hervor wie die Polkappe des Mars. Schnell zeichnen um ihn später identifizieren zu können. Es ist der Krater Aristarchus, auf der Vollmondaufnahme im Rükl-Atlas erscheint er auffällig wie eine Küstenmetropole auf der “Earth at Night”-Karte. Das kleine Lichtmeer hält uns gefangen, erst als es den Kernschatten verlässt packen wir zusammen. Was für ein geniales Erlebnis.
Die Fotos liefern Jakob und Marcus, hier Jakobs Bericht:
“Wir machen gerade Urlaub in Norditalien, genauer gesagt in den friulanischen Voralpen. Das Wetter ist einigermaßen klar und auch unsere 10jährige Tochter ist Feuer und Flamme, die heutige Mondfinsternis zu beobachten.
Voller Erwartung fahren wir also nach Clauzetto, einem kleinen Ort, der aufgrund seiner stolzen Aussicht in die Ebene den Beinamen “il balcone del Friuli” trägt. Um 19:30 Uhr stehen wir mit gezückten Kameras auf dem Vorplatz der exponierten Kirche, von dem aus man wie erhofft freien Blick nach Osten hat. Anscheinend sind wir nicht die einzigen mit der Idee, während sich im Westen die Sonne mit prächtigen Farben verabschiedet finden sich noch weitere Interessierte ein, und es herrscht ein Hauch von Event-Stimmung.
Das Event allerdings bleibt aus. Denn dort, wo wir den aufgehenden und bereits verdunkelten Mond vermuten ist nur ein dichter Vorhang aus Schleierwolken zu sehen. Jetzt heißt es warten, schließlich soll der Mond bis knapp 21 Uhr im Kernschatten bleiben. Die Zeit verstreicht, immer noch nichts zu sehen, die Wetterkarte macht wenig Mut und die Mundwinkel wandern langsam aber sicher nach unten. Die ersten packen zusammen und geben auf.
Eine Stunde verstreicht, wir werden langsam müde und kalt, da passiert es. Gegen 20:40 reißt ein Loch in den Wolkenschleier und gibt den Blick auf eine wunderbar rötliche Mondkugel frei, die bereits überraschend hoch am Himmel über den Lichtern der Ebene steht. Unter den Beobachtenden breitet sich wohlige Zufriedenheit aus und die Kameras beginnen zu klicken. Nach kurzer Zeit beginnt der Mond schon aus dem Erdschatten zu wandern. Wir sehen noch ein bisschen zu und gehen dann zum Auto, froh und stolz, dass unser Ausharren belohnt wurde.”

Der Mond in der Totalität. Aufnahme mit Teleobjektiv, der helle Krater Aristarchus ist gut zu erkennen. Foto: Marcus Schenk.

Der Krater Aristarchus am nordwestlichen Mondrand. Ansicht wie im Okular, das Bild steht Kopf.

Was kann man bei Vollmond beobachten? Die Sonne! Ein Spalt am Fenster verwandelt das Zimmer in eine Lochkamera und das Aufstehen in Sternegucken.

Die Milchstrasse im Schwan und das Sternbild Leier. Foto: Jakob Weyde.
Neumond im Juni, die längsten Tage des Jahres. Dank Sommerzeit ist es erst um halb eins dunkel, die Hitzewelle lässt keine optimale Durchsicht erwarten. Zur Sternwarte fahren lohnt kaum, vielleicht ein spontaner Versuch aus dem lichtgeschützten Teil des Gartens.
Auf dem Laptop wartet eine Karte der direkten Umgebung von M 13, die Sternmuster aus dem Astrofoto müssen mit dem visuellen Eindruck abgeglichen werden. Dafür braucht es nicht viel Öffnung, das 6-Zoll BoxKite kommt passend temperiert aus der Werkstatt. Ein Kissen auf den Boden und es kann losgehen.
Die beiden 7m-Sterne nordöstlich und südwestlich des Clusters helfen bei der Orientierung. Auf der Ostseite stehen zwei enge Sternpaare, die an Epsilon Lyrae erinnern. Bei den schwachen Bedingungen sehen sie im 6-Zoll allerdings wie Einzelsterne aus. Das Muster unmittelbar westlich ähnelt dem Teapot, in SkySafari ist es unscheinbar, im Okular aber auffällig und auf Fotos klar erkennbar. Die wenigen verbleibenden 12m-Sterne sind indirekt gerade noch sichtbar, im Nordwesten herrscht dann auffallende Leere.
Die Skizze ist fertig, zur Entspannung noch einen Abstecher zum M 57. Der zarte Rauchring braucht bessere Bedingungen, der dunkle Bereich im Inneren setzt sich kaum ab. Erinnert mich daran dass dies kein gutes Ziel für Einsteiger ist.
Am nächsten Morgen schickt mir Jakob ein Panorama der Milchstraße im Schwan, direkt aus der Stadt fotografiert. Das Feld ist riesig und die Leier klein, kann ich den Ringnebel ausmachen? Sieht aus wie ein Stern, aber die Lage passt. Bei der Beweisführung hilft SkySafari. Gleich mal Jakob schreiben. Der antwortet prompt: “Stimmt! Ein blaues Pünktlein 😇”.

Der Ringnebel M 57 in der Leier. Screenshot aus SkySafari 6 Pro und Ausschnitt aus der Aufnahme oben. Image Courtesy of SkySafariAstronomy.com.

Gewitterzellen über dem Alpenvorland. Foto: Jakob Weyde.
Der zunehmende Mond ist vier Tage alt, Jakob gibt Clear-Sky-Alarm für den Abend. Wegen der Sommerzeit beginnt die Nacht erst um null Uhr, wir fahren um 22 h los und bauen mit dem Rest des Tageslichts auf.
Der Löwe neigt sich schon gen Westen, heute Abend steht nur ein Ziel auf dem Programm: Der Virgo-Galaxienhaufen, genauer Markarjans Galaxienkette.
Erst in den 1970er Jahren genauer untersucht, sind die Galaxien ein dankbares Ziel für das Teleskop, dunklen Himmel und Zeit vorausgesetzt. Wir starten mit Messier 84 und 86, das Paar springt uns im Okular sofort an. Mit 9,0 und 8,8 mag sind die beiden auch für kleine Optiken kein Problem. Auch die schwächere edge-on Galaxie NGC 4388 ist nicht zu übersehen, dabei ist es noch gar nicht dunkel. Das lässt sich gut an.
Die drei bilden ein gleichschenkliges Dreieck von knapp 20 Bogenminuten Kantenlänge, im gleichen Abstand folgt Richtung Osten das mit 4′ enge Paar NGC 4435 und 4438, die “Augen”. Sie stehen deutlich im Okular, mit 10,6 und 10,0 mag gut erreichbar.
Auch das nächste Paar, NGC 4458 und 4461, eine kleinere Version der Augen, ist eine Stunde vor astronomischer Dunkelheit schon komplett da. Die mit 12,0 mag schwächere 4458 ist durch einen Feldstern etwas schwieriger auszumachen.
Jetzt schon deutlich Richtung Norden passieren wir NGC 4473 und landen bei NGC 4477, dem Ende der Kette. Beide sind mit 10,1 und 10,3 mag deutlich, die nur 12,6 mag helle NGC 4479 neben 4477 bleibt allerdings unsichtbar.
Nach den schwächeren Galaxien ist M 88 überwältigend hell und klar, man meint angedeutet Strukturen zu sehen. Wir machen noch einen Abstecher zu M 91, dem schwächsten Objekt des Messier-Katalogs, und schwenken über M 90, M 89 und M 58 zu M 87, der hellsten Galaxie im Haufen und als Virgo A eine der hellsten Radioquellen am Himmel. Auch hier sind die kleinen Begleiter NGC 4476 und 4478 mit 12,3 mag direkt zu sehen.
Das 12,5 mm Baader Morpheus bleibt den ganzen Abend lang im Auszug des 8-Zoll, mit knapp 100 x und 2 mm Austrittspupille passt es optimal zu den Scheiben. Die größeren Sprünge von der Kette weg erfordern etwas Konzentration, mit einsetzender Müdigkeit verlieren wir gelegentlich die Orientierung. Dann heißt es zurück auf Anfang.
Unser Bortle 3-Himmel erreicht um Mitternacht 21,2 m, ein guter Mittelgebirgswert. Der Deep Sky Reiseführer listet 30 Galaxien im Virgo-Haufen zwischen 9 und 11 mag, für heute haben wir genug. Wir sind gespannt was das kleinere 6-Zoll davon zeigt. Vielleicht morgen?
Der Versuch muss leider auf unbestimmte Zeit verschoben werden – siehe oben.

Markarjans Galaxienkette (Illustration). Ansicht wie im Okular, Norden ist links unten. Die Kette beginnt links oben mit M 84 und endet mit NGC 4477. Darunter M 88 und M 91, das schwächste Objekt des Messier-Katalogs. Die helle Galaxie in der oberen Bildmitte ist Virgo A, rechts M 90, 89 und 58.

Der zwei Tage alte Mond über dem Naturpark Westliche Wälder. Foto: Jakob Weyde.
Zwei Tage nach Neumond versprechen die Wetterapps klaren Himmel, wir fahren eine halbe Stunde Richtung Norden. Michael ist unser Guide, die Location bietet Horizontsicht und wenig Streulicht. Das lässt sich gut an. Leider ziehen jetzt Wolken auf, der Löwe macht sich unsichtbar. Egal, die Bärin hat auch Galaxien zu bieten. Allerdings ist Schnelligkeit beim Aufsuchen und Beobachten gefragt, die Wolken spielen mit uns Fangen. Schwache Spiralen finden wir so nicht, der Abend wird trotzdem toll, wir waren lange nicht mehr draussen und geniessen jede Minute. Whirlpool und die Bode-Gruppe sind fantastisch, Pinwheel schwächer aber ebenso schön. Endlich macht auch der Löwe auf, wir freuen uns dass wir das Leo-Triplet doch noch ins Okular bekommen. Die beiden Messier Galaxien sind hell wie Leuchtfeuer, NGC 3628 sofort da. Auch das zweite Triplet mit M 95 und 96 ist kein Problem, die M 105-Dreiergruppe zeigt sich von ihrer besten Seite. Ein Triplet im Triplet! Move over, Double Double.

Die Temperatur sinkt unter Null, der Bodennebel soll sich im Verlauf des Abends auflösen. Zudem ist Neumond, riskieren wir es. Unterwegs ist es trocken, erst auf den letzten Metern wieder Nebelschwaden. Jetzt sind wir schon einmal da, machen wir das Beste daraus.
Galaxien gehen durch den Nebel nicht. Wir nehmen Jupiter ins Visier, der uns mit tollen Wolkenstrukturen und einem Ganymed-Transit unterhält. Faszinierend, wie sich der kleine Lichtpunkt von der hellen Scheibe löst. Was muss Galileo gefühlt haben, als das zum ersten Mal ein Mensch sah.
Der Abend gerät zu einer Übung in Taubekämpfung. Am Osthimmel funkelt Orion, Jakob greift zum Heizband und kann 20 Minuten belichten. Trotz der schwierigen Verhältnisse zeigt die Aufnahme zahlreiche Deep Sky-Objekte, selbst der Pferdekopf ist auf Anhieb zu erkennen. Den haben wir auch noch auf der Liste, aber dafür müssen wir in die Alpen.


Das Sternbild Orion und Jupiter mit NGC 1647 und den Hyaden. Foto: Jakob Weyde.

Der große Orionnebel M 42, M 43, Flame und Horsehead, M 78, NGC 2071, NGC 2112 und Barnard’s Loop. Ausschnittvergrösserung aus der Aufnahme oben. Foto: Jakob Weyde.

First light für den 10-Zoll-Spiegel, natürlich nur zu Testzwecken. Der Fokus wird erreicht, die Sterne sehen auch gut aus. Jetzt erst mal durchatmen.
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