teleskopfreunde

Astronomie einfach machen

Zwischen Widder und Dreieck

Das unscheinbare Sternbild Dreieck mit der Dreiecksgalaxie M 33 und den Sternhaufen NGC 752 und M 34. Die beiden hellen Sterne gehören zu Andromeda. Foto: Jakob Weyde.

Die erste richtig kalte Nacht im Jahr, die Temperatur sinkt auf fünf Grad.  Wir bringen die Heizbänder in Stellung und suchen Ziele zwischen Widder und Dreieck auf. Die schwache Galaxie NGC 722 bei Sheratan probieren wir lange, ohne Erfolg. Sie bleibt selbst im 12-Zoll von Marcus unsichtbar. Die Edge-on Galaxie NGC 891 will sich auch nicht zeigen. Die Kälte setzt uns zu, erst mal einen Tee.

Nach dem Aufwärmen geniessen wir “Mirachs Geist” NGC 404 und die Dreiecksgalaxie M 33 im 8-Zoll. Das helle Sternentstehungsgebiet mit der eigenen NGC-Nummer 604 ist eindeutig zu identifizieren. Ein Deep Sky-Objekt in einem Deep Sky-Objekt! Das Galaxienpaar Holm 46 findet Jakob später im Foto, es kommt auf die Liste.

Eine Auswahl von Zielen aus dem Bild oben. Foto und Legende: Jakob Weyde.

Während wir beobachten schiesst Marcus mit dem S30 ein grosses Panorama der Milchstrasse, das zahlreiche Showpieces bis herunter zum Horizont zeigt. Visuell bleibt das alles unsichtbar, uns zeigt sich die eigene Galaxie erst im Zenith.

Die Milchstrasse im Sternbild Adler mit zahlreichen Showpieces. Im unteren Bilddrittel direkt über dem Horizont der Lagunennebel, gefolgt von der Sternwolke im Schützen und Omega- und Adlernebel. Foto: Marcus Schenk.

Erst am Morgen hole ich das Teleskop aus dem Auto ins Haus. Der Spiegel taut sofort zu und braucht lange, bis er wieder trocken ist.

10 Minuten Nordamerika

Der Nordamerikanebel NGC 7000. 10 Minuten Belichtung mit dem Seestar S30 Pro. Aufnahmeort: Rieden, Austria. Foto: Marcus Schenk.

Marcus ist in den Ferien und erholt sich in den Bergen. Aber Leidenschaft bleibt Leidenschaft, und ist da nicht noch eine kleine Lücke im Kofferraum neben all dem anderen Gepäck? Da sollte man doch 30 mm Öffnung unterbringen können.

Guter Himmel heute Abend. Es braucht nur 10 Minuten und der Nordamerika-Nebel NGC 7000 im Sternbild Schwan entfaltet seine Magie.

Restbestände

Wenn man viel mit Epoxy arbeitet, verklebt man auch das Ebony Star Laminat für die Höhenräder mit dem Zeug. Ist etwas mehr Aufwand als Kontaktkleber, dafür wird das Ergebnis perfekt. Etwas Erfahrung schadet nicht, Schutzmaßnahmen empfohlen (Aktivkohlemaske und Handschuhe).

Eignet sich gut, um nicht mehr ganz frische Restbestände aufzubrauchen, hier das leider nicht mehr verfügbare 10-Minuten-Epoxy von R&G. Im nächsten Schritt wird gefräst.

Make or buy

Mit Kreissäge, Oberfräse und Bohrständer lässt sich einiges erledigen. Sind diese Werkzeuge nicht vorhanden oder mangelt es an Zeit, lassen sich die Zuschnitte online konfigurieren und kommen fertig ins Haus.

Wir testen das für unser BoxKite Mini 6-Zoll Dobson-Teleskop und ordern bei Firstlaser. Vor einer Woche bestellt, heute vor der Tür, nicht schlecht. Alles ist sorgfältig verpackt.

Unsere Bestellung besteht aus 3 mm Aluverbund und 12 mm Birke Multiplex, je nach Erfordernis wird gesägt oder gefräst. Löcher oder Ausschnitte bedeutet automatisch fräsen, diese Teile haben ebenfalls saubere Kanten, nur die Schutzfolie franst aus.

Der gefräste Aluverbund für den oberen Tubus ist 4/10 zu klein, hier müssen wir die gesägten Teile anpassen. Besser gleich alles gefräst bestellen. Die Holzteile scheinen zu passen, wie gut wird sich beim Zusammenbau zeigen.

Wegen der Mindestmaße von 20 x 15 cm für das Fräsen haben wir einige Teile kombiniert oder einseitig vergrößert, die kommen noch auf die Säge. Die Frontblende bauen wir selbst.

Für das Set könnte man fünf Jahre lang das „Himmelsjahr“ kaufen, man muss selbst entscheiden ob es das wert ist. Fangspiegelzelle und Kleinteile aus dem 3D-Drucker liefert ebenfalls ein Dienstleister, die Alurohre liegen schon lange im Regal. Jetzt kommen sie endlich zu ihrem Recht.

Sonnenfinsternis 2026

Die fast vollständig bedeckte Sonne kurz vor dem Untergang. Foto: Jakob Weyde.

Es ist ein verrücktes Spektakel, wenn Mond und Sonne ihre Bahnen kreuzen. Dabei läuft im Weltall alles wie immer, nur von unserem Standpunkt aus gesehen passiert etwas besonderes.

Nachdem ich den Termin fast vergessen hatte, ist morgens anstehen nach Brillen angesagt: das Interesse ist riesig. Die Brillenschlage, immerhin einige Dutzend Leute, ist gut gelaunt und bewegt sich zügig weiter. Die 1999er Brillen können entsorgt werden – selbst originalverpackt erscheinen sie im Smartphone-Licht deutlich löchrig, kein Vergleich mit den neuen.

Der Zufall in Gestalt von Marcus spielt mir eine Baader AstroSolar-Folie in die Hand. Aus einer vorhandenen Blende ist schnell ein Sonnenfilter für das 6-Zoll BoxKite gebaut. Die kleine Folie reicht für 120 mm Öffnung, 1 cm muss umlaufend verklebt werden. Das gelingt streng nach Anleitung problemlos.

Große Erwartungen an das Ergebnis habe ich nicht, umso überraschender dann der erste Blick auf die Sonne: ein kristallklares Bild mit deutlich sichtbarer Granulation und Gruppen von Sonnenflecken, die eine schöne Penumbra zeigen. Einiges davon fängt sogar ein Freihand-Smartphone-Foto ein.

Die Sonne am 12. August 2026 westlich von München, 19:41 Uhr.

Auch 120 mm Öffnung produzieren ein bestechend klares visuelles Bild.

Sonne und Mond, formatfüllend: Marcus Schenk mit dem Seestar S30 Pro

Besuch bei alten Freunden

Das Sternbild Löwe. Foto: Jakob Weyde.

Labiles Wetter mit kräftiger Thermik und spektakulären Wolken, die sich laut Vorhersage abends auflösen. Der abnehmende Mond ist noch gut beleuchtet, geht aber erst nach zwei Uhr auf – so lange werden wir heute nicht durchhalten.

Vor drei Wochen haben wir den Löwen nur durch Wolken gesehen, also zweiter Versuch. Den Anfang macht das bekannte Leo-Triplet. Die schwache NGC-Galaxie 3628 ist kaum zu entdecken, das verbessert sich mit Fortschreiten der astronomischen Dämmerung. Sie liegt in ein V aus fünf Sternen eingebettet, die perfekte Aufsuchhilfe. Schnell noch zeichnen, mangels Papier muss das iPad herhalten. Es ist ohnehin immer dabei, wir navigieren mit SkySafari Pro.

Das Leo-Triplet (Illustration). Ansicht wie im Okular, Norden ist links unten. Oben M 65, im Uhrzeigersinn folgen M 66 und NGC 3628.

Weiter zum weniger bekannten zweiten Triplet mit M 95 und 96. Hier gibt es eine Extra-Zugabe: die dritte “Galaxie” ist selbst ein Triplet aus M 105 und NGC 3384, die schöne Kerne zeigen, und 3389, die nicht leicht zu sehen ist.

Wir wollen noch die “Needle Galaxy” NGC 4565 aufsuchen, ein Kratzer am Himmel und Höhepunkt des Abends. Sehr schön die benachbarte elliptische Galaxie NGC 4494 am Ende eines Bogens aus vier Sternen, wir entdecken sie zuerst.

Müdigkeit macht sich bemerkbar, wir streifen noch die Markarian-Kette im Herzen des Virgo-Haufens und genießen den Glitzer des offenen Sternhaufens Melotte 111.

Und, was sagen wir? Hat sich doch gelohnt.

Die “Needle Galaxy” NGC 4565 im Sternbild Coma, eine der schönsten edge-on Galaxien. Rechts neben dem Ausschnitt der offene Sternhaufen Mel 111. Foto und Legende: Jakob Weyde.

Löwe und Jungfrau

Jupiter in den Zwillingen, links Procyon und Kleiner Hund. Foto: Silke Wieland.

Das Wetter sieht gut aus, ClearOutside, sonst eher pessimistisch, meldet 4 Stunden klaren Himmel. Und das bei Neumond.

Wir fahren zeitig los und bauen in der Dämmerung auf. Die ersten Sterne leuchten, Venus und Jupiter sorgen für prachtvolle Illumination am Südwesthimmel.

Schon tauchen die ersten Schäfchenwolken auf und breiten sich in Folge über den gesamten Himmel aus. Nur der Norden bleibt frei.

Wir wollen die Galaxien im Löwen sehen, aber dafür ist es mit den vielen Schäfchen gerade zu hell. Also erstmal Doppelsterne. Besonders schön der Mähnenstern Algieba, mit gut 4 Bogensekunden Abstand im 6-Zoll mit dem 12,5 mm Morpheus deutlich getrennt. Im 8-Zoll noch auffälliger.

Die Galaxien-Safari starten wir mit NGC 2903, nach dem ersten Schwenk mit Telrad sofort im Bild. Auch das Leo Triplet mit M 65 und 66 geht prima, NGC 3628 schon schwieriger. Haben wir sie im 6-Zoll gesehen? Leider nicht überliefert.

Auch das kleine Trio aus M 105, NGC 3384 und NGC 3389 finden wir schnell, wobei die zuletzt genannte mit 11m9 schon deutlich sportlich ist. Die beiden 9m-Galaxien sind sofort da.

Die Jungfrau ist im Südosten gut zu erkennen, und endlich sehen wir die Sombrero-Galaxie M 104, das erste nicht von Messier veröffentliche M-Objekt. Mit 8m nicht schwierig, die zentrale Ausbuchtung ist allerdings nicht einmal zu ahnen. Das Sternbild steigt noch etwas höher, schauen wir mal.

« Ältere Beiträge

© 2026 teleskopfreunde

Theme von Anders Norén — Hoch ↑