Astronomie einfach machen

Kategorie: Lesen

Der Atlas für Himmelsbeobachter

Einige anerkannte Nachschlagwerke für Sterngucker zeichnen sich durch einen Nerd-Faktor aus, der sich am schönsten in getippten Tabellen mit handgemalten griechischen Buchstaben äußert. Als Leser fühlt man sich einer verschworenen Minderheit zugehörig, die von der Kommerzialisierung des Informationskonsums durch ein nur ausgeprägten Individualisten zugängliches Interessengebiet verschont geblieben ist.

Für mich hatte der “Karkoschka” immer diesen Appeal, schon wegen der Typografie. Leicht zugänglich fand ich ihn nicht, dafür sorgen Tabellen im Einführungsteil wie “Scheinbare Helligkeit und Entfernung der 1427 in diesem Atlas katalogisierten Objekte, jede Doppelsternkomponente einzeln gezählt”.

Nach einer Weile findet man sich zurecht, dann kommt die Ausgabe 2022, von den meisten Sternfreunden wahrscheinlich unbemerkt, schließlich hat schon jeder so ein Teil. Mich erinnert das Buch an ein Taschenmesser mir zu vielen Werkzeugen. Ist die Fülle an neu hinzugekommenen Informationen für den Beobachter wirklich sinnvoll?

Die Karten bleiben weitgehend unverändert, die Beschreibung der Nebel auch. Die auf dem Cover angekündigten 500 Objekte kommen durch Sonderseiten mit Tabellen etc. zustande, es bleibt im Kern bei der Auswahl von 250 Zielen.

Ich habe das Buch gerade erst gekauft und will es nicht vorschnell abtun. Vielleicht freunden wir uns noch an. Wenn es soweit ist, poste ich ein Update. But don’t hold your breath.

Die 6. Auflage von 2016 hat ein farbiges Cover, ist im Inhalt aber schwarzweiss und weitgehend mit der 2. Auflage von 1989 identisch

Oculum Drehbare Himmelskarte

Ich war bislang kein großer Fan drehbarer Sternkarten. Sobald man die Sternbilder einmal kennt, bieten sie nicht viel Zusatznutzen – dachte ich. Das hat sich geändert, und der Grund ist die Drehbare Himmelskarte aus dem Oculum Verlag.

Die Karte ist schon länger auf dem Markt, knapp so groß wie eine LP (remember?), und zeigt neben ca. 700 Sternen fast 250 Objekte aus dem Deep Sky Reiseführer/Atlas. Im Orion sind das die Reflexionsnebel M 78, NGC 1788, 1977 und 2024, die offenen Sternhaufen NGC 1980 und 1981 und natürlich der Orionnebelkomplex M 42/43. Das allein ist schon mehr als eine Beobachtungsnacht wert.

Die Grafik ist aufgeräumt, man überblickt große Himmelsareale und sieht gleichzeitig Details. Das lädt auf Entdeckungsreisen ein, und mit dem Plan für die nächste Nacht möchte man sofort raus und beobachten.

Die Karte ist eine gute Ergänzung zu Sky Safari, die zwei passen zusammen wie Teleskop und Fernglas. Die Objektauswahl allein lohnt den Kauf.

https://www.oculum-verlag.de/detailview?no=540

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