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Astronomie einfach machen

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Unter Null

Die Temperatur sinkt unter Null, der Bodennebel soll sich im Verlauf des Abends auflösen. Zudem ist Neumond, riskieren wir es. Unterwegs ist es trocken, erst auf den letzten Metern wieder Nebelschwaden. Jetzt sind wir schon einmal da, machen wir das Beste daraus.

Galaxien gehen durch den Nebel nicht. Wir nehmen Jupiter ins Visier, der uns mit tollen Wolkenstrukturen und einem Ganymed-Transit unterhält. Faszinierend, wie sich der kleine Lichtpunkt von der hellen Scheibe löst. Was muss Galileo gefühlt haben, als das zum ersten Mal ein Mensch sah.

Der Abend gerät zu einer Übung in Taubekämpfung. Am Osthimmel funkelt Orion, Jakob greift zum Heizband und kann 20 Minuten belichten. Trotz der schwierigen Verhältnisse zeigt die Aufnahme  zahlreiche Deep Sky-Objekte, selbst der Pferdekopf ist auf Anhieb zu erkennen. Den haben wir auch noch auf der Liste, aber dafür müssen wir in die Alpen.

Das Sternbild Orion und Jupiter mit NGC 1647 und den Hyaden. Foto: Jakob Weyde.

Der große Orionnebel M 42, M 43, Flame und Horsehead, M 78, NGC 2071, NGC 2112 und Barnard’s Loop. Ausschnittvergrösserung aus der Aufnahme oben. Foto: Jakob Weyde.

Projektstart 10-Zoll

Der Kite für den Prototypen des 10-Zoll BoxKite wird mit wasserfestem Weissleim in einer einfachen Helling verklebt. Die Panels kommen von Firstlaser und sind bereits mit Bohrungen und Ausschnitten versehen. Qualität und Masshaltigkeit sind exzellent, Expresszuschnitt ist allerdings ein Euphemismus, es dauert zwei Wochen bis die Teile in der Garage liegen.

To see or not to see

Die Milchstrasse zwischen Perseus und Cassiopeia. Am linken Bildrand im unteren Drittel Kemble’s Cascade, am rechten Bildrand auf gleicher Höhe die Dreiecksgalaxie M 33. Foto: Jakob Weyde.

Heute ist Neumond, der Tag sonnig, gegen Abend lösen sich die Schleierwolken auf. Mit der Dunkelheit wird es kalt, die Feuchtigkeit in der Luft wird die Herausforderung der Nacht.

Jakob fotografiert die Milchstraße zwischen Perseus und Cassiopeia, das Objektiv taut im Handumdrehen zu. Nur wenige Aufnahmen sind verwertbar, trotzdem gelingt ein Weitfeld mit vielen interessanten Deep Sky-Objekten.

Mit dem Teleskop suchen wir Kemble’s Cascade mit NGC 1502 und 1501 auf, die hatten wir bei der letzten Fernglas-Tour vergessen. Der Sternhaufen zeigt tolle Farben, der Planetarische Nebel strahlt geisterhaft kreisrund. So kann es weitergehen.

Während wir beobachten, stackt das Seestar Belichtungen des Geisternebels IC 63 bei Gamma Cas. Wie kommt Marcus auf dieses Objekt? “Intuition”. Wir versuchen es mit dem 8 Zoll, aber da spielt die Durchsicht nicht mit. Das Puzzle-Gegenstück Sh2-155, der Höhlennebel in Cepheus, bleibt ebenso unsichtbar wie alle weiteren Ziele, die wir auf der Liste haben. Egal, aufgesucht haben wir sie schon mal. Und wie sagt Jakob? Nicht sehen macht auch Spaß.

Gamma Cas und der Geisternebel IC 63. Foto: Marcus Schenk mit Seestar S50.

Tsuchinshan-ATLAS

Komet C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS) in der Abenddämmerung. Foto: Jakob Weyde.

Am Abend ist der Himmel unverschämt klar, Jakob geht spontan raus, um den Kometen zu fotografieren. Der Plan: Losfahren und dunklen Himmel mit freiem West-Blick suchen.

“Der Weg zum Auto führt über die Lechbrücke, und  was soll ich sagen, ich bin gleich da geblieben. Der Komet ist sofort mit bloßem Auge sichtbar, samt Schweif, trotz blendender Autoscheinwerfer und Brückenbeleuchtung. Ich habe die Aufnahmen vom Brückengeländer gemacht, in der Eile hatte ich den falschen Stativkopf dabei”.

Es gibt sie noch

Lagerverkauf bei Intercon in Augsburg. Original-Teile wie Alutuben, Spiegelzellen, Höhenräder und Rockerboxen vom 8 Zoll ICS AT bis zum legendären 14,5er GNU. Als Besucher kann man in Ruhe stöbern, in die Begeisterung über so viel Hochwertiges mischt sich auch Melancholie.  Die Zeit der Manufaktur-Dobsons und des Selbstbaus geht zu Ende, heute sind andere Dinge gefragt. Was dort im Lager liegt, war mal state of the art und anderswo nicht zu bekommen.

Am liebsten möchte ich das alles einpacken und den Teilen ein neues Zuhause geben. Gekauft habe ich einen 10 Zoll Spiegel mit perfektem Messprotokoll. Nächstes Jahr müssen sich die Galaxien warm anziehen.

Kontrastprogramm

Stephan’s Quintet und Deer Lick Galaxie (am Bildrand). Foto: Marcus Schenk mit Celestron Origin.

Am Alpenrand irrlichtern Gewitterzellen, sonst ist der Himmel klar. Marcus ist schon unterwegs, das neue Celestron Origin im Auto. Die Company steigt als erster Traditionshersteller in den Markt mit Smart Teleskopen ein. Beste Durchsicht ist nicht zu erwarten, ich packe starken Café und Fernglas und fahre spontan hinterher.

Während das Origin schwierige Objekte sammelt sitzen wir auf der Bank, trinken Café und schauen in den Himmel. Herrlich, die laue Nacht so ohne Ziel. Später nehmen wir die Ferngläser. Die großen Spiralen M 51 und 101 in UMa gehen im 8 x 32 gerade noch. Richtig genial ist Perseus mit Doppelhaufen, Stock 2, Trumpler 2, Alpha Persei Gruppe und M 34. Leider vergessen nach Kemble’s Cascade zu schauen. Machen wir nächstes Mal.

Minimum-Maximum

Die Milchstrasse zwischen Cassiopeia und Schwan. Foto: Jakob Weyde.

Der zunehmende Mond geht früh unter,  der Himmel ist exzellent. Wir machen Jagd auf kleine und kleinste planetarische Nebel aus dem NGC-Katalog. Jakob hangelt sich von Sternmuster zu Sternmuster und schiesst nebenbei dieses grosse Panorama der Milchstrasse zwischen Doppelhaufen und Schwan, mit zahllosen Deep Sky-Objekten.

Antares und Wolken

Noctilucent clouds (NLCs) über Buchloe. Foto: Jakob Weyde.

Die Möglichkeit einer klaren Nacht um Neumond, spontaner Beobachtungsabend mit BoxKite und Astrotracker. Schon auf der Fahrt tauchen die ersten Wolkenschleier auf, den fotografisch angepeilten Antares zeigen die Aufnahmen poetisch durch die Wolken ziehend.

Als Entschädigung gelingt Jakob diese Aufnahme unglaublich heller und kontrastreicher NLCs  im Norden. Der helle Stern oberhalb der Wolken ist schnell identifiziert (Capella), für die schönen Sternmuster im Niemandsland zwischen Fuhrmann, Giraffe und Perseus braucht es einen Platesolve, der Ausschnitt ist kleiner als gedacht.

Danke Astrometry.net!

Aurora Borealis

Polarlichter über Landsberg am Lech am 10. Mai 2024. Foto: Jakob Weyde.

Yes it is true: Die Sonnenaktivität beschert uns Polarlichter über Süddeutschland. Und Jakob fängt den Gänsehautmoment mit der Kamera ein.

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