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Astronomie einfach machen

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Die Königskinder

Die Königskinder NGC 6939 und NGC 6946. Foto: Jakob Weyde.

Eines der schönsten Paare am Himmel sind der offene Sternhaufen NGC 6939 im Cepheus und die Galaxie NGC 6946 im Schwan. Die beiden erscheinen ähnlich gross und hell und passen mit nur 38′ Abstand zusammen ins Gesichtsfeld des Teleskops. Gesehen habe ich sie zum ersten Mal auf dem BTM, in einem 14,5″ ICS Dobson.

Jakob unternimmt trotz widriger Umstände wie zu kleiner Brennweite, Nebelschwaden, Tau und leeren Akkus einen Versuch und kann immerhin 20 Minuten Daten sammeln. Eher ein Beifang ist die auffällige Struktur in der rechten Bildhälfte, der “Seepferdchennebel” Barnard 150. Das müssen wir visuell versuchen!

Für Beobachter ohne Astrofoto-Ambitionen liefert das Equinox 2 Smart-Teleskop eine detailliertere Ansicht der Galaxie. Galaxie zeichnen und vergleichen.

Die Fireworks-Galaxie NGC 6946 im Schwan. 20 min. Stacking mit dem Equinox 2 Smart-Teleskop.

Was Goto-Teleskope nicht zeigen

So dicht, dass man darüber stolpert, stehen die Objekte am Himmel nicht. Ein zufälliger Schwenk zeigt immer nur Sterne. Außer manchmal eben doch.

Endlich die Rockerbox und Höhenräder des kleinen 6 Zoll BoxKite grundiert, nachdem es gerade mal nicht regnet. Die sollen schließlich auch mal eine Taunacht überstehen. Der Himmel zieht immer mehr auf, gegen Abend nur noch Blau.

In der Dämmerung blinken die ersten Sterne, Vega und Deneb. Stehen etwas hoch, peilen wir mal eine angenehmere Höhe an. Zack,  tolles Sternenmuster, ganz zart, füllt das Gesichtsfeld im 13 mm Okular. Sollte das ein loser Sternhaufen sein? Aber welcher? Und wie finde ich das heraus?

Der Himmel ist noch hell, im SO von Deneb ist kein Stern zu sehen. Ich starte SkySafari, könnte M 39 sein. Volltreffer, die Sternmuster sind so charakteristisch, dass ich sie mit dem Foto des Haufens abgleichen kann. Gleich mal zeichnen.

Weil die Richtung so schön passt, gibt es im W von CAS noch etwas zu sehen? Für Caroline’s Rose ist es natürlich viel zu hell. Aber der Sternhaufen liegt zwischen zwei Sternpaaren, die gerade noch ins 21 mm Okular passen, und der Ort ist schnell eingestellt. Und dann die nächste halbe Stunde einfach da gesessen und genossen, wie dieser Poesie gewordene Sternstaub sich ganz langsam aus der Unsichtbarkeit herausschält. Besser geht’s nicht.

Der Stoff, aus dem die Träume sind

Beim Aufräumen zwei Fangspiegelhalter von Astrosystems gefunden. Ebony Star ist noch vorhanden, der Postbote hilft beim Auffüllen anderer kritischer Bestände.

Der Prototyp des 6 Zoll f/5 BoxKite Mini geht seiner Fertigstellung entgegen, in zwei Wochen startet das BTM, dann ist er fertig. Und ich träume von einem kurz bauenden 8 Zoll f/5 BoxKite Compact.

12 g flüssiges Gold

Die meisten Selbstbauer verkleben Ebony Star mit Kontaktkleber, das war mir nie so recht sympathisch. Zumindest auf großen Flächen lässt sich das Zeug kaum ohne Wellen auftragen, die Lösungsmittel sind auch nicht ohne. Sprühkleber habe ich auch schon verwendet, das geht für die Rockerbox ganz gut.

Besser gefällt mir Epoxy, die Verklebung hält dauerhaft und das Material lässt einem Zeit alles passend auszurichten. Für die 6-Zoll Rockerbox nutze ich ein nicht mehr ganz frisches Restgebinde, 12 g flüssiges Gold und das Ebony Star sitzt plan und fest.

Da das  Epoxy schnell durchhärtet folgen die bereits verklebten Seitenwände ohne lange Wartezeit. Morgen noch das Laminat mit dem Einhandfräser trimmen und alles mit Porenfüller versiegeln, dann folgt schon der Zusammenbau.

Amerika liegt im Osten

Der Nordamerikanebel NGC 7000. Foto: Jakob Weyde.

Im Juni wird es spät dunkel und früh wieder hell, nur 1,5 Stunden liegen zwischen Ende und Beginn der astronomischen Dämmerung. Aber es bleibt warm, und der abnehmende Mond geht nicht vor 2 Uhr auf. Der Himmel verspricht klar zu werden, nicht nur wolkenlos.

Jakob hat spontan Zeit und wir nutzen die immer besser werdende Durchsicht für eine Tour de Force durch die im Osten aufgehenden Sommersternbilder, während der Bärenhüter im Süden über unseren Köpfen thront.

Höhepunkte für mich der Hantelnebel M 27 im Füchschen, den ich noch nie so gut gesehen habe, und wieder einmal der Nordamerikanebel NGC 7000 im Schwan, von dem das BoxKite selbst bei geringster Vergrößerung nur den Golf von Mexiko zeigt. Jakob hält das Wunder mit der Kamera fest, und jetzt kann ich das Herzensobjekt auch tagsüber anschauen.

Eine Wiege für das Baby-BoxKite

Nachdem das Wetter kaum zu Aktivitäten im Freien einlädt, hat die Rockerbox für den 6″ f/5 Baby-BoxKite Prototypen am Wochenende Fortschritte gemacht. Noch fehlen die Aussparungen und die Basis, aber die Höhenräder sind sorgfältig eingeschliffen und die Reibung kann durch Verschieben der Teflon-Pads justiert werden.

Das Fräsen und Schleifen der Höhenräder und der Aufnahme in den Seitenteilen der Rockerbox bedeutet etwas Arbeit, so habe ich die Teile für den Prototypen gleich in Multiplex gebaut. Große Überraschungen sind nicht zu erwarten, den Durchmesser der Höhenräder (203 mm) konnte ich mit dem alten 8-Zoll testen.

Für Marcus bauen wir das noch einmal in schön, ich werde sicher die nächsten Jahre mit dem Prototypen beobachten – und mich über die Rockerbox freuen.

Die Sirius B-Herausforderung

Image Credit: NASA, ESA, H. Bond (STScI), and M. Barstow (University of Leicester)

Ein Begleiter von Sirius wurde 1844 vorhergesagt und 1862 visuell bestätigt, mit dem 18,5″ Alvan Clark Refraktor, damals dem größten Teleskop der Welt. Der weiße Zwerg hat etwa die Größe der Erde und die Masse der Sonne: das astrophysikalische Extrem trägt vielleicht ebenso zum Mythos bei wie die Schwierigkeit der Beobachtung.

Liest man die Foren quer, findet man das ganze Spektrum von “aktuell für kein Teleskop ein Problem” bis “ich versuche schon seit 20 Jahren, Sirius B zu sehen”. Die Aufnahme des Hubble Weltraumteleskops lässt schon einmal ahnen, dass die Sache so ganz einfach nicht wird. Phil Harrington listet den Begleiter in seinem Buch “Cosmic Challenge” als Herausforderung für mittlere Teleskope, nach seiner Definition 6 bis 9 1/4″.

Unsere erste gemeinsame Sichtung liegt schon etwas zurück. Im Zuge des First Light für den neuen 6″ Prototypen haben wir gegen Ende des Abends noch einen Schwenk zu Sirius gemacht, da uns das Seeing recht stabil erschien. Von B war im 8″ aber nichts zu sehen, und wir haben das auch nicht lange verfolgt.

Ein paar Tage später wollte ich den Fokuspunkt des 8″ BoxKite noch einmal genau ausmessen und habe bei der Gelegenheit aus der heimischen Garageneinfahrt einen Blick auf das Trapez im Orionnebel riskiert. Überraschend, wir gut die E- und F-Komponenten dastehen. Dann probieren wir doch mal Sirius B.

Das klappte dann ganz gut, etwa wie bei der ersten Sichtung mit Marcus. Viel Vergrößerung ist nicht erforderlich, ich habe B am besten im 10 mm Okular gesehen, das sind für mein 8″ Dobson 120-fach und eine Austrittspupille von 1,6 mm. Schon im 8 mm (150-fach und 1,3 mm AP) war der Begleiter schlechter zu sehen. Die Herausforderung liegt nicht im Abstand der Komponenten, sondern im enormen Unterschied der scheinbaren Helligkeit von -1,4 und +8,4 mag.

Sirius B ist trotz der ähnlichen Separation der Komponenten sehr viel schwieriger als Rigel B und immer noch deutlich schwieriger als die F-Komponente im Trapez (Theta1 Ori). Das Seeing ist der wichtigste Faktor für eine erfolgreiche Beobachtung, die Trapez-Komponenten E und F sollten dauerhaft direkt sichtbar sein

Der Weiße Zwerg erscheint und verschwindet immer wieder, je nachdem wie das Seeing ihn freigibt. Es ist zweckmässig Sirius in die Mitte des Gesichtsfeldes positionieren und am optimalen Einblick in das Okular arbeiten, um das Strahlen-Feuerwerk so weit wie möglich zu reduzieren.

Das langgezogene “Himmels-W” westlich (ähnlich Cassiopeia) und der 11 mag Feldstern östlich helfen bei der Orientierung. Der Feldstern östlich liegt fast auf der Positionslinie, Sirius B befindet sich bei 1/10 der Linie von Sirius zum Feldstern.

0,5 Grad Feld um Sirius, Ansicht wie im Okular, Norden ist unten. Sirius B liegt auf der 62,5° Positionswinkellinie, der Abstand der Komponenten entspricht 1/10 der Entfernung zum Feldstern an der Linie.

First Light für Baby-BoxKite

Nur 29 Tage zwischen dem ersten und dem letzten Foto: gestern konnten wir den sehr guten Himmel für das First Light des neuen 6″ f/5 Baby-BoxKite Prototyps nutzen und gleich eine kleine Nebel-Tour durch den Orion unternehmen.

Bei angenehmen 2° Lufttemperatur hatten wir viel Spaß beim Testen und Beobachten. Alle Okulare kommen in den Fokus, der Sterntest sieht auf Anhieb gut aus. Sehr interessant der direkte Vergleich mit dem 8″ f/6, der Unterschied ist deutlich, aber wir waren doch immer wieder erstaunt was mit dem 6″ alles geht.

Angeschaut haben wir das Trapez im Orionnebel (Theta1 Ori), mit dem 8″ waren die E und F-Komponenten gut sichtbar, mit dem 6″ immerhin noch E.

Der Flame-Nebel (NGC 2024) war ohne Filter im 8″ gut und im 6″ gerade noch zu sehen. Mit UHC-Filter im 8″ waren die Konturen deutlicher, ein Fall für eine Skizze, wir wollten aber weiter.

M 78, der einzige Reflexionsnebel im Messier-Katalog, war in beiden Teleskopen gut zu sehen und bietet sich wegen seiner einfachen Struktur und der beiden eingebetten Sterne wirklich zum Zeichnen an. Kommt auf die Liste.

NGC 1788 ist ein schwächerer Reflexionsnebel, der auch im 8″ leicht zu übersehen ist (aber nicht von Marcus). Haben wir mit dem 6″ nicht versucht.

Zum Abschluss haben wir dem Orion den Rücken zugekehrt und Polaris für einen ersten Test mit dem Ronchi-Okular eingestellt.

Sobald die Werkstatt aufgeräumt ist geht es weiter.

Der Atlas für Himmelsbeobachter

Einige anerkannte Nachschlagwerke für Sterngucker zeichnen sich durch einen Nerd-Faktor aus, der sich am schönsten in getippten Tabellen mit handgemalten griechischen Buchstaben äußert. Als Leser fühlt man sich einer verschworenen Minderheit zugehörig, die von der Kommerzialisierung des Informationskonsums durch ein nur ausgeprägten Individualisten zugängliches Interessengebiet verschont geblieben ist.

Für mich hatte der “Karkoschka” immer diesen Appeal, schon wegen der Typografie. Leicht zugänglich fand ich ihn nicht, dafür sorgen Tabellen im Einführungsteil wie “Scheinbare Helligkeit und Entfernung der 1427 in diesem Atlas katalogisierten Objekte, jede Doppelsternkomponente einzeln gezählt”.

Nach einer Weile findet man sich zurecht, dann kommt die Ausgabe 2022, von den meisten Sternfreunden wahrscheinlich unbemerkt, schließlich hat schon jeder so ein Teil. Mich erinnert das Buch an ein Taschenmesser mir zu vielen Werkzeugen. Ist die Fülle an neu hinzugekommenen Informationen für den Beobachter wirklich sinnvoll?

Die Karten bleiben weitgehend unverändert, die Beschreibung der Nebel auch. Die auf dem Cover angekündigten 500 Objekte kommen durch Sonderseiten mit Tabellen etc. zustande, es bleibt im Kern bei der Auswahl von 250 Zielen.

Ich habe das Buch gerade erst gekauft und will es nicht vorschnell abtun. Vielleicht freunden wir uns noch an. Wenn es soweit ist, poste ich ein Update. But don’t hold your breath.

Die 6. Auflage von 2016 hat ein farbiges Cover, ist im Inhalt aber schwarzweiss und weitgehend mit der 2. Auflage von 1989 identisch

Oculum Drehbare Himmelskarte

Ich war bislang kein großer Fan drehbarer Sternkarten. Sobald man die Sternbilder einmal kennt, bieten sie nicht viel Zusatznutzen – dachte ich. Das hat sich geändert, und der Grund ist die Drehbare Himmelskarte aus dem Oculum Verlag.

Die Karte ist schon länger auf dem Markt, knapp so groß wie eine LP (remember?), und zeigt neben ca. 700 Sternen fast 250 Objekte aus dem Deep Sky Reiseführer/Atlas. Im Orion sind das die Reflexionsnebel M 78, NGC 1788, 1977 und 2024, die offenen Sternhaufen NGC 1980 und 1981 und natürlich der Orionnebelkomplex M 42/43. Das allein ist schon mehr als eine Beobachtungsnacht wert.

Die Grafik ist aufgeräumt, man überblickt große Himmelsareale und sieht gleichzeitig Details. Das lädt auf Entdeckungsreisen ein, und mit dem Plan für die nächste Nacht möchte man sofort raus und beobachten.

Die Karte ist eine gute Ergänzung zu Sky Safari, die zwei passen zusammen wie Teleskop und Fernglas. Die Objektauswahl allein lohnt den Kauf.

https://www.oculum-verlag.de/detailview?no=540

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