Astronomie einfach machen

Autor: Marcus

9 Tipps für erfolgreiche Beobachtungen

Willst du mehr aus deinen Beobachtungen herausholen, ein tolles Erlebnis unter dem Sternenhimmel haben? Und zwar jetzt und nicht irgendwann?

Dann werden dir diese neun Tipps helfen.

In diesem Artikel erfährst du unter anderem:

  • Was die richtige Kleidung mit Astronomie zu tun hat
  • Warum weiße Taschenlampen dich als Anfänger entlarven könnten
  • Warum es für Astronomen wichtig ist einen Astrobuddy zu finden und eine offene Haltung gegenüber Interessierten zu hegen

Machen wir es konkret.

1. Sei ein rücksichtsvoller Astronom

Wann ist man denn nicht rücksichtsvoll? Ganz einfach, wenn du in der Gnade der anderen Hobbyastronomen fällst.

Zum Beispiel, indem du mit aufgeblendetem Licht zu einer Sternwarte oder auf einen Beobachtungsplatz fährst. Böses Foul. Mach das auf keinen Fall.

Wenn du gemeinsam mit anderen Amateurastronomen beobachtest, ist es wichtig, die anderen Beobachter zu respektieren und sie nicht zu stören. Das Einschalten von weißen Lichtern kann leicht die Beobachtungen anderer Leute stören und die Dunkeladaption des Auges ruinieren.

Wenn ich zur Sternwarte fahre – und es sind schon Leute vor Ort – schalte ich die Scheinwerfer des Autos aus oder zumindest auf Standlicht. Auf Teleskoptreffen ist es oftmals komplett untersagt helle Beleuchtung zu verwenden. Aber wie kannst du trotzdem etwas sehen? Das erkläre ich dir im nächsten Schritt.

2. Das rote Geheimnis der Beobachter

Menschen, die sich nicht mit Astronomie beschäftigen, können das wohl nicht nachvollziehen: den Hang zum roten Licht. Aber jeder Hobbyastronom liebt es. Der Grund dafür ist einfach: Du siehst alles, ohne selbst geblendet zu werden.

Unser Auge ist sehr empfindlich und reagiert sofort auf Blendung. Was passiert, wenn dir jemand mit einer weißen Taschenlampe ins Auge leuchtet? Die Augenpupille schließt sich, verringert also den Lichteinfall und will dich damit vor einer Schädigung deines Auges beschützen. Erst bei wenig Licht öffnet sie sich wieder.

Bei der astronomischen Beobachtung haben wir daher ein Problem: Wir müssen unsere Sternkarten und Okulare erkennen, aber die Augenlinse muss geöffnet bleiben. Das erreichst du mit einer Rotlichtlampe. Auf rotes Licht ist unser Auge kaum empfindlich. So kannst du stundenlang auf deinen Sternkarten umherleuchten, ohne dass dich die muskulösen Türsteher der Astrogemeinde vom Platz werfen.

3. Doppelter Boden und warme Gedanken reichen nicht, wenn du beobachten willst

Hast du schon einmal davon gehört, dass auf dem Weg zum Mount Everest gefrorene menschliche Leichen als Wegmarkierung dienen? Eine makabrere und gruselige Vorstellung.

Doch verunglückte Bergsteiger können in diesen unglaublichen Höhen kaum geborgen werden.

Von Erfrierungen beim Beobachten von Sternen habe ich zwar noch nichts gehört, aber auch wir Astrobeobachter sollten darauf achten, dass wir die sternenklare Nacht ohne Frostbeulen überstehen.

Wie machst du das trotz kalter Winternächte?

Durch warme Kleidung und gute Vorbereitung. Klingt einfach, ist es in der Praxis aber oft nicht. Vor der Beobachtung solltest du etwas warmes essen und am besten scharf würzen, zum Beispiel mit Chilli oder Ingwer. Das bringt die Durchblutung in Schwung und wirkt wie eine innere Heizung. Zusätzlich solltest du dir warmen Kaffee oder Tee in einer gut isolierenden Thermoskanne mitnehmen.

Bei der Kleidung empfehle ich dir auf Schuhe mit dicken Sohlen oder sogar Moonboots zurückzugreifen. Damit kannst du zwar keine Bergtouren machen, behältst aber stundenlang warme Füße.

Eine gute Lösung für den Körper sind Kältehausanzüge oder sehr warme Jacken. Ebenso bewährt hat sich die Zwiebeltechnik: Du ziehst einfach mehrere dünne Shirts oder Jacken übereinander. Die Luftkammern zwischen den Kleidungsschichten halten dich lange warm. Natürlich solltest du nie warme Handschuhe und eine gute Mütze vergessen.

4. Die John Dobson-Taktik für Astronomen, die in den Himmel schauen

John war ein amerikanischer Mönch und vom Sternenhimmel so begeistert, dass er ihn jedem zeigen wollte. Allerdings nicht mit dem bloßen Auge, sondern mit einem Teleskop. Doch er hatte ein Problem: Als Mönch besaß er kein Geld und es gab Mitte des letzten Jahrhunderts kaum erschwingliche Instrumente für die Himmelsbeobachtung. Also baute er sich seine Teleskope selbst und zeigte allen Interessierten den Sternenhimmel. Die Leute begriffen, dass es dort oben viele Wunder zu entdecken gab und einige von ihnen wurden selbst zu Himmelsbeobachtern. John Dobson war nicht nur ein erfolgreicher Teleskopbauer, sondern auch der Begründer der Sidewalk Astronomers.

Warum erzähle ich dir das?

Manche Leute halten die Astronomie für etwas elitär und unfassbar. „Da gibt es so ein paar Leute, die ständig in den Himmel starren“, erzählen sie vielleicht. Sie können damit wenig anfangen – ft, weil sie noch nicht wissen, wie interessant es dort oben zugeht. Mach es wie John Dobson, der zu den Leuten ging.

Wenn andere Menschen interessiert dein Teleskop mustern, dann gehe auf sie zu oder lade deine Nachbarn auf einen entspannten Beobachtungsabend ein. Sie werden sich noch lange an die schönen Sichtungen erinnern und nie wieder argwöhnisch über den Gartenzaun spähen.

5. Die Getthofaust der Beobachter

Während Corona haben wir einen Gruß gelernt, den wir zuvor nur aus Gangsterfilmen kannten: die Ghettofaust. Das alte Händeschütteln hat bis heute mancherorts ausgedient. Aber an einer Tatsache hat sich trotz Corona nie etwas geändert: an der Bedeutung menschlichen Kontakts.

Der ist auch für dich als Hobbyastronomen wichtig. Warum solltest du nicht ein einsamer Astroeinsiedler bleiben? Es ist wie in jedem anderen Hobby auch: Du lernst von anderen und lässt dich durch sie motivieren. Auch wenn Astronomie dein ganz großes Hobby ist, kann es sein, dass für etwas für dich noch nicht funktioniert oder du steckst in einem kleinen Motivationsloch. Deshalb mein Tipp: Suche dir einen Astrobuddy, mit dem du beobachten und dich austauschen kannst. Zusammen beobachten und über den Sternenhimmel quatschen kann dein Hobby extrem beflügeln.

6. Dein Beobachtungort ist keine Muckibude

Da wir gerade beim Thema Motivation sind. Kennst du das, wenn es plötzlich aufklart du aber gemütlich auf der Couch sitzt und gerade Tatort schaust? Du musst entscheiden, was dir wichtiger ist: der Film oder dieser einmalig schöne Sternenhimmel.

Dann denkst du dir: „Boah, jetzt meine 120 Kilogramm Ausrüstung in die kalte dunkle Nacht schleppen und eine halbe Stunde lang aufbauen. Nee.“

Deshalb: Kaufe dir kein zu großes oder zu schweres Teleskop. Deine Ausrüstung sollte einfach zu transportieren und leicht aufzubauen sein. Kleine Teleskope haben gegenüber großen einen gewaltigen Vorteil: man beobachtet einfach viel öfter. Selbst der glühendste Anhänger der astronomischen Beobachtung wird dir nicht erzählen können, dass er immer und jederzeit nach draußen springt, wenn es klar und vielleicht bitterkalt ist.

Große Teleskope machen das noch schwerer. Greife deshalb zu einem Teleskop, das deine Astronomie einfach macht.

Beobachten mit kleinen Instrumenten ist immer besser als nicht beobachten.

7. Wir fahren zum Mond und nehmen mit – oder was du zum Beobachten brauchst

Du kennst bestimmt das „Ich packe meinen Koffer“-Spiel. Als Kinder haben wir uns damit die Langeweile auf einer Autofahrt vertrieben und obendrein war es ein wunderbares Gedächtnistraining. „Wir fahren zum Mond und nehmen mit: einen Raumanzug, ein paar feste Schuhe, mein Kuscheltier, Sommerklamotten gegen die Hitze auf dem Mond, … äh, was war da noch? Vergessen.“

Genau das kann dir auch mit deinem Zubehör passieren, dass du mit zur Beobachtung nehmen willst. Auf einmal hast du dein Lieblingsokular zu Hause gelassen. Was jetzt? Zurückfahren wäre zu weit. Denke deshalb schon am Tag über dein Zubehör nach und nicht erst eine halbe Stunde vor deiner Beobachtung. Bereite deine Okulare, deine Filter oder Sternkarten vor. Oder für die ganz Korrekten: Mache dir eine kleine Checkliste, damit du nichts vergisst.

8. Beobachte den Himmel wie ein staunendes Kind

Albert Einstein war ein genialer Wissenschaftler. Doch er wusste, dass Forschung oder Wissen nicht alles ist. Deshalb sagte er einst: „Fantasie ist wichtiger als Wissen.“ Damit hatte er verdammt recht, denn Kreativität ist unendlich.

Die Astronomie gehört zwar zu den Naturwissenschaften. Aber nimm dein Astrohobby nicht zu ernst. Du musst kein Astronerd mit Cordhose und runder Nickelbrille sein, der mit Formeln um sich wirft. Natürlich gibt es auch Amateurwissenschaftler, die einen wichtigen Beitrag zur Forschung leisten. Doch vergiss nicht zu staunen. Wir betreiben unser Hobby oft mit den Augen eines Kindes und blicken fasziniert hinauf zum Himmel. An sich hat die reine Beobachtung nur wenig mit Wissenschaft zu tun, sondern mit einem Naturwunder. Und dieses dürfen wir ehrfürchtig erleben.

Sei einfach ein Fan der Wissenschaft und ein Fan unseres Universums.

9. Beginne deine astronomischen Beobachtungen bei A, nicht bei Z

Wenn du in die Astrobeobachtung einsteigst, dann fange erst mit den hellen und einfachen Objekten an. Natürlich ist es verlockend die fast 12mag schwache und kontrastarme Galaxie NGC 6207 zu beobachten. Doch wenn du noch nicht so viel Übung hast, kann das zu einer Herausforderung werden. Wie wäre es mit dem Herkuleshaufen oder dem Orionnebel? Dieser Nebel bietet für Einsteiger und Fortgeschrittene jede Menge Details. Und du findest ihn auf Anhieb.

Astronomie ein Hobby ist, das Menschen jeden Alters Spaß macht! Wenn du diese Dinge beachtest, wirst du sicher viele schöne Abende unter dem Sternenhimmel verbringen!

Was sind deine Tipps und Erfahrungen beim Beobachten?

Unscheinbare Freunde, Teil 1: der Kleine Löwe

Wir kennen sie alle, die bekannten und auffälligen Sternbilder. Dazu gehören der Große Wagen, der Orion oder Pegasus. Als Sterngucker lernst du diese Sternbilder als erstes kennen. Doch es gibt Figuren am Himmel, die sind so unauffällig wie eine Laus auf einem Blatt. Aber wahrscheinlich viel interessanter. 

Dieser Artikel ist der erste Teil einer kleinen Serie, in dem wir dir die Sternbilder vorstellen wollen, die die meisten Beobachter leicht übersehen. Ab heute wirst du auch auf die kleinen Details achten.

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Hagrids Drachen oder NGC 2301

Ich habe in meinem Beobachtungsbuch geblättert und eine Beobachtung gefiel mir besonders.

Warum diese?

 

Karte des Sternbilds Einhorn

Es handelt sich um einen Sternhaufen, den du gesehen haben solltest, die meisten Hobbyastronomen aber kaum beobachten. Oder sagt dir etwas Hagrids Drachen etwas?

Ich habe keine Ahnung, wer sich diesen Namen ausgedacht hat. Aber Harry Potter Fans wissen: Es muss sich dabei um den Drachen Norbert handeln, dessen Ei der Wildhüter Hagrid in J.K. Rowlings Roman „Harry Potter und der Stein der Weisen“ in seiner Hütte neben einem Kaminfeuer ausbrütet. Mir gefällt das! Für alle anderen darf der Sternhaufen NGC 2301 oder goldener Wurm heißen.

Wo findest du den Sternhaufen?

Wenn ein Sternhaufen schon so einen bildhaften Namen trägt, dann findet man ihn natürlich im Sternbild „Einhorn“. Oder einfacher: direkt links neben dem Sternbild Orion.

Du findest NCG 2301 ganz einfach gute zwei Grad entfernt vom 4,4 mag hellen Stern 18 Mon. Du kannst den Stern also schon mit dem bloßen Auge erkennen und ihn einfach an den Rand deines Telradkreises positionieren. Schon hast du diesen wundervollen Sternhaufen gefunden.

Zeichnung von NGC2301

Im Weitwinkelokular bei kleiner Vergrößerung bemerkst du eine helle Sternenkette, die mit 15 Bogenminuten Ausdehnung etwa 1/4 des Gesichtsfeldes ausmacht. Es stechen einige helle Sterne der 8. Größenklasse heraus, weiterhin aber auch einige schwache Haufenmitglieder. In meiner Zeichnung konnte ich etwa 30 Sterne festhalten.

Übrigens: Wenn du mit deinem Teleskop schon in dieser Gegend unterwegs bist, dann bieten sich ein Abstecher zum Rosettennebel, Hubbles veränderlicher Nebel und zum Weihnachtsbaumhaufen an.

Beobachte diesen Sternhaufen doch auch mal – und erzähle uns davon.

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